KV Westfalen-Lippe steigt aus Arzneimittel-Vereinbarungen aus

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) will für 2011 keine neuen Arzneimittelrichtgrößen mehr mit den Krankenkassen vereinbaren.

24.02.2010 - "Die Verantwortung für die Steuerung der Verordnung liegt mehr und mehr in anderen Händen", begründete KVWL-Vizevorsitzender Wolfgang-Axel Dryden den Ausstieg der KVWL aus der Arznei- und Heilmittelverordnung.

Aufgrund der zukünftigen Rahmenbedingungen sieht sich die KVWL deshalb nicht mehr in der Lage, in diesem Bereich die Verantwortung zu übernehmen und mit den Honoraren der Mitglieder zu haften.

Durch die Aut-idem-Regelung sowie die neuen Rabattverträge habe der Gesetzgeber die Preisverantwortung Apothekern und Krankenkassen übertragen und die Kassenärztlichen Vereinigungen spätestens durch die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) endgültig aus der gesetzlichen Verantwortung entlassen, so Dryden.

Da Hausärzte der KV zufolge circa drei Viertel der Arzneimittelverordnungen verantworten, werde der Großteil der Arzneimittelkosten künftig im Rahmen der HzV-Verträge gesteuert. "Ausgabenüberschreitungen durch fehlgesteuerte HzV-Verträge können und dürfen jedoch nicht gegen die Gesamtverträge der KVen wirken, die vorrangig die im Kollektivvertragssystem verbliebenen Arzthonorare definieren", erklärte der KV-Vize. Gleiches gelte auch für Direktverträge im fachärztlichen Bereich.

Für Ausgabenvolumina und Richtgrößen fehlen der KV laut Dryden künftig wichtige Berechnungsgrößen: Sie könne nicht wissen, wie viele Patienten mit welchen Morbiditäten und mit welchen Verordnungen in zahlreichen Hausarztverträgen versorgt werden.

"Auch die Informations- und Beratungsangebote der KVWL wie etwa die Arzneimittel-Trendmeldungen werden unmöglich gemacht", resümiert Dryden. Alle Steuerungsbemühungen der KV auf der allgemeinen wie auf der arztindividuellen Ebene wären obsolet. "Wir können nicht mehr beeinflussen und damit auch nicht länger verantworten!"


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